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  Der Atheist - ein Freund des Propheten?

Guten Tag, Frau Prophetin!
Grüß Gott, Herr Atheist!
Der Atheist: Können ein Prophet und ein Atheist Freunde werden? Unsere Begrüßung läßt mich daran zweifeln, denn aus unserer Anrede hört man schon die Gegensätze heraus.
Der Prophet: Solange wir Menschen nur von Religion sprechen und deren Grundelemente nicht erfüllen, gibt es in dieser Welt Gegensätze. Wären die Menschen e i n e r effektivenreligiösen Gesinnung, dann hätten sie einengemeinsamen Weg. Wie dieser aussehen würde, das müssen wir wohl vorerst dahingestellt sein lassen.
In unserer Welt heißt unter anderem eine Lebensregel: Gegensätze ziehen sich an. Es stellt sich die Frage, ob sich Gegensätze tatsächlich anziehen oder sich letztlich doch gleiche Interessen begegnen, die nicht sogleich offenbar sein müssen. Außerdem kommt es wohl darauf an, was wir daraus machen. Gegensätze prallen dann nicht aufeinander, wenn Gesprächspartner, die unterschiedlicher Meinung sind, sich in beiderseitiger Toleranz begegnen, indem jeder jedem den freien Willen zur freien Entscheidung läßt. Wir beide könnten es auch so halten.
A propos "Prophetin": Ich nenne mich nicht "Prophetin". Ein wahrer Prophet ist das Sprachrohr Gottes. Gott nennt mich Seine Prophetin, also Sein Sprachrohr. Bekanntlich glaubt ein Atheist nicht an das Übersinnliche. So ist auch anzunehmen, daß er die Existenz Gottes be-zweifelt oder ignoriert. Ich glaube an die Existenz Gottes, an den ewigen Vater aller Menschen. In diesem Bewußtsein meines Glaubens sind wir Kinder Gottes und untereinander Brüder und Schwestern. Daraus ergibt sich die Gleichheit und Freiheit, die mich veranlaßt, Ihnen das Du anzubieten. Natürlich, wenn Sie das wollen.
Ich heiße Gabriele.
Der Atheist: Das klingt seltsam in meinen Ohren. Töne der Toleranz, der Gleichheit und Freiheit - und das aus dem Mund eines Propheten, einer Prophetin, die doch angeblich das Wort Gottes vertritt? Mir kam das Wort von Propheten bisher immer reichlich apodiktisch vor.
Nun - um so besser. Dieser Gesprächsbeginn macht mich optimistisch, denn ich fühle mich als Freidenker. Für Floskeln, jene nichtssagenden Schnörkel dessen, was man Etikette nennt, bin ich nie gewesen. Deshalb würde ich mich freuen, wenn wir uns beiderseitig mit du anreden würden.
Ich heiße Kurt. Allerdings möchte ich nicht "Bruder" genannt werden. Das ginge zu weit in die Richtung Gott. Damit will ich nicht identifiziert werden! Vielleicht "Gesprächspartner"? Ich hoffe, daß du deine Worte "Toleranz, Gleichheit und Freiheit" ernst meinst. Daraus könnte sich ein gutes Gespräch entwickeln.
Gabriele: Gut, werter Gesprächspartner.
Kurt: Okay, werte Gesprächspartnerin.
Gabriele: Kurt, du kündigtest an, daß du viele Fragen hast. Deshalb möchte ich möglichst wenig von mir reden, sondern deine Fragen beantworten.
Kurt: Gabriele, du versetzt mich in Erstaunen. Jeder redet doch gern von sich, oder? Es gibt viele, die gar nicht wieder aufhören, wenn sie damit erst einmal angefangen haben. Ist deine Zurückhaltung Bescheidenheit oder Taktik? Unser Gespräch wird es zeigen.
Vor kurzem las ich den "Prophet Nr. 13". In den Antworten - vorwiegend in den deinen - fand ich viele Aussagen, die mit meinem Gedankengut übereinstimmten. Aufgrund dessen faßte ich den Mut, mit meinen vielen und sehr unterschiedlichen Fragen auf dich zuzugehen.
Die erste Frage wäre - eigentlich könnte ich sie mir selbst beantworten, will aber trotzdem deine Antwort hören -: Du sagst, Gott nennt dich Seine Prophetin. Glaubst du tatsächlich an Gott? Oder ist Prophet zu sein nur ein Beruf, um Menschen eine Religiosität, eine gewisse Frömmigkeit nahezubringen, um die Masse der Menschen zu disziplinieren, sie in Schranken zu halten, vergleichbar der Praxis der Kirchen? Man denke nur an deren Angstmacherei mit der ewigen Verdammnis, die die Gläubigen veranlaßt, in Abhängigkeit und hierarchische Anbetung zu verfallen. Mit Speck fängt man Mäuse, mit der ewigen Verdammnis Seelen.
Gabriele: Bevor wir in die Thematik einsteigen, möchte ich gern etwas klären: Du erwähntest soeben das Buch "Der Prophet, Nr. 13". Lieber Kurt, ein Atheist, der sich mit einem Propheten im Gespräch auseinandersetzt, ist nicht unbedingt etwas Alltägliches; das kann unter Umständen recht interessant werden. Daher gleich zu Beginn die Frage an dich: Hättest du etwas dagegen einzuwenden, wenn wir unseren Dialog aufzeichneten und dieser - sinngemäß - in einem kleinen Büchlein oder dergleichen wiedergegeben und veröffentlicht würde? Z.B. in "Der Prophet Nr. 14"?
Kurt: Durchaus nicht! Erstens bin ich davon überzeugt, daß nicht nur ich Fragen zum Themenkreis "Gott" habe, sondern viele. Das kann sogar von allgemeinem Interesse sein. Zweitens habe ich nie aus meinen Ansichten einen Hehl gemacht. Warum sollte ich es jetzt tun?
Wie ist es also, werte Gabriele: Glaubst du tatsächlich an Gott?
Gabriele: Ich glaube nicht nur an Gott, an eine einmalige, überirdische Intelligenz - ich weiß, daß Gott existiert. Über mehr als 20 Jahre erlebe und vernehme ich die allmächtige und allgegenwärtige Kraft in mir, das Wort Gottes.
Die unendliche, ewige Ur-Intelligenz ist namenlos. Wir Menschen geben der Ur-Intelligenz Namen und meinen doch immer dieselbe ewige Kraft, den Weltall-Geist. Wir Menschen nennen sie Gott, All-Kraft, Sein, Schöpfer, All-Geist, Jahwe, Elohim, Allah oder anders - es gibt viele Begriffe, die alle dasselbe meinen. Ohne Wenn und Aber sage ich: Es gibt eine überirdische, einmalige Intelligenz, die in allem ist. Diese universelle All-Intelligenz, die das reine Sein, das feinstoffliche Universum - das für uns unsichtbare -, geschaffen hat, ist die universelle Energie, die auch im feinerstofflichen Kosmos und im grobstofflichen Kosmos, in der Materie, wirkt. Wir nennen sie DEN GEIST, Gott; man spricht auch vom Heiligen Geist.
Gott, die einmalige, allwaltende Ur-Intelligenz, ist Freiheit. Sie läßt sich weder in äußere Religion noch in Tradition pressen. Der Weltall-Geist, Gott, ist das ur-ewige, reine Gesetz der Liebe, der Gleichheit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit. Seit über 20 Jahren vernehme ich tagtäglich die ur-ewige Stimme des Einen, Gott.
Kurt: Du behauptest, daß es eine überirdische Intelligenz gibt. Wie bist du an diese herangekommen? Und: Kannst du mir "Gott" beweisen?
[...]
Kurt: Wenn ich dich richtig verstehe, hast du die Wirklichkeit Gottes für dich buchstäblich "in Erfahrung gebracht". Das heißt also, daß du keine Rituale und religiösen Hand-habungen praktizieren mußtest, um an den Gott, an den du glaubst, heranzukommen. Ich war früher gläubig, doch speziell an den religiösen Handlungen habe ich mich so oft gestoßen, bis ich Gott ganz und gar ablehnte und am Ende gar nichts mehr von Ihm wissen wollte.
Ein Mensch, der sich die Freiheit erhalten will, möchte mit einem Gott, den die Kirchen scheinheilig als "den liebenden Vater" apostrophieren und den sie mit Prunk, Luxus, mit Gold und Edelsteinen, mit Dogmen, Zeremonien, Riten, liturgischen Gesängen und den dazugehörenden Gewändern beweihräuchern müssen, nichts zu tun haben. Sind das vielleicht eine spezielle Art von Opfergaben, damit man Seiner Gnade sicher sein kann? Die Ihn besänftigen sollen, damit nicht das Strafgericht mit Donner, Pech und Schwefel hereinbricht? Ein Gott, der eine solche Anbetung verlangt, der mit so viel Getue zur Mäßigung angehalten werden will, kann doch kein "liebender Vater" sein! Der ist in Seiner Unberechenbarkeit doch vielmehr zum Fürchten. Für mich ist ein solcher Gott ein Monster, das mit viel Tamtam gefüttert werden will, damit es nicht ausbricht und wer weiß was anstellt und in seinem Zorn vielleicht noch die ganze Welt zerstört.
Du nanntest vorhin auch das Wort "Gleichheit". Ich erlaube mir zu behaupten: Sollte Gott existieren, dann hat Er in Seinem Gesetz sicherlich nicht die Gleichheit, denn wenn Er eine solche Anbetung verlangt, die sogenannte kirchliche Würdenträger praktizieren und die das Kirchenvolk finanziell unterstützt, damit es in den "Himmel" kommt, und andere, die das nicht tun, in die Hölle fahren, dann ist das meines Erachtens ein Gott, der viele Ausnahmen macht. Und das soll ein Vater sein, der angeblich alle Seine Kinder gleich liebt? Daß ich nicht lache! Wo ist denn die Gleichheit der "Kinder Gottes", wenn sich einige dieser "Kinder" als "Hochwürden" - und wie sie sonst noch heißen mögen - aufs hohe Roß setzen, während das Kirchenvolk, in der Mehrzahl die einfachen Leute - logischerweise die "Niedrigwürdigen" -, das Fußvolk sind?
Überhaupt ist alles, was Religion betrifft, total unlogisch und ungerecht; von Gleichheit kann nicht die Rede sein. Kinder Gottes, die vor Seinem Angesicht alle gleich sein sollen, tun sich mit abgehobenen Kleidern hervor, erhabener als das Volk, und geben sich Titel wie "Hochwürden" und "Exzellenz", und der einfache Bürger heißt "Herr Meier", "Herr Huber" et cetera pp. Die Gehälter der Hochwürden sind entsprechend ihren Titeln; Herr Meier und Herr Huber empfangen einen Lohn, der gerade zum Leben reicht. Sie alle können doch niemals Kinder ein und desselben Vaters sein. Und wenn: warum nennt sich der Vater nur "Vater", und unter Seinen Kindern nennen sich einige "Exzellenz" und "Eminenz" und andere, der einfache Mensch, nur mit seinem Namen? Das ist so unlogisch, daß es zum Himmel stinkt!
Um wieviel reicher - geistig gesehen, meine ich - ist ein Menschenvater, der für seine Kinder sorgt, ohne daß sie ihn anbeten, ihm liturgische Gesänge darbringen, ihn in Weihrauch einhüllen und ihn durch Zeremonien besänftigen müssen, ein Vater, zu dem die Kinder jederzeit kommen können. Ein guter Menschenvater liebt seine Kinder von Herzen. Er tut für sie alles, was er kann. Eine einmalige Intelligenz jedoch, die sich auch noch als "liebender Vater" bezeichnet, hat solche "Verneigungen" nötig, ist auf diese ewigen Frömmeleien angewiesen, die kirchlichen Praktiken und die ganze Rangordnung Seiner angeblichen Kinder mit Titeln und entsprechendem Vermögen bis hinunter zur Armut? Welch ein Armutszeugnis für einen solchen Gott!
Mit diesem Ganzen will ich nichts zu tun haben. Ich will auch nicht als "Sein Kind" angesehen und daher auch nicht "Bruder im Geiste" genannt werden. Diese aufgesetzte Gleichheit ist nichts anderes als subtiler Freiheitsentzug und verkappter Zwang. Die kirchlichen Zwänge werden scheinheilig und mit vielen Vorspiegelungen einer "heiligen Ordnung", die dies angeblich erfordert, in zwei Worte eingebunden, die heißen: du mußt. Wer nicht tut, wie die "allein seligmachende" Kirche verlangt, der ist auf ewig verdammt. Das soll Freiheit sein?
Ich glaube weder an einen Gott noch an eine heilige Kirche und schon gar nicht an die ewige Verdammnis. Nach dem Tod ist es eben aus; es ist vorbei mit dem, der man eine Sekunde zuvor noch war. Nix Glanz der Ewigkeit, nix Englein, die einen an irgendeinen schönen Ort führen, nix himmlische Seligkeit! Starr, stumm, tot - aus.
Gabriele: Kurt, darf ich dich unterbrechen? Deine Darlegungen haben dich jetzt in Erregung versetzt. Ganz ehrlich gesagt: Darüber freue ich mich, denn das zeigt mir, daß du nicht durch und durch ein Atheist bist, nicht stumpf gegenüber der Wahrheit und dem Geistigen, sondern vielmehr ein Suchender. Wärest du ein vollkommen überzeugter Atheist, ein Mensch, der sich nur noch an der Peripherie des Lebens, in in-tellektuellen und materiellen Kategorien, bewegt, dann würden dich die Institutionen Kirche mit all dem Prunk und Schaugepränge, die kirchlichen Obrigkeiten mit ihren elitären Gewändern und hohen Gehältern und was sie sonst noch alles darbieten, und das Kirchenvolk, das sie bei der Stange zu halten versuchen, nicht derart erregen. Das alles wäre dir gleichgültig.
Eventuell willst du dir mit dem Hinweis auf das Drum und Dran selbst beweisen, daß Gott nicht existiert?
Solange ein Mensch nach Beweisen sucht, ist er ein Suchender.
Kurt: Gabriele, du hast eine gewisse Raffinesse an dir. Du willst mir den Atheisten ausreden und willst mir den "Suchenden" schmackhaft machen. Das wird dir aber kaum gelingen! So leicht gebe ich meinen Standpunkt nicht auf; schließlich habe ich ihn mir selbständig errungen und es mir nicht leicht gemacht. Wenngleich ich mir sehr gern weiter anhöre, was du sagst - ich bin durch und durch Atheist und bleibe Atheist. Punkt!
Gabriele: Das hat schon mancher gesagt. Nach einigen Jahren kam er dahinter, daß Gott der freie Geist ist und mit einer äußeren Religion, mit den Institutionen Kirche, nichts gemeinsam hat. Die Institutionen Kirche haben ihre Vorstellungen geprägt, wie Gott sein müsse und wie man Ihm zu begegnen habe, und haben ihre Gottesvorstellung ihren Gläubigen aufgezwungen, letztlich auch durch die Säuglingstaufe. Es sind eben äußere religiöse Vorstellungen, es ist das Gottesbild der kirchlichen Institutionen, das aber mit dem wahren Einen, Gott, nichts zu tun hat.
Äußere Religionen haben zur Anbetung ihrer Gottesvorstellung ihre jeweiligen Traditionen. Im Reich Gottes existieren weder äußere Religionen noch Traditionen. Das alles sind festgefahrene Strukturen, etwas, das sich ständig wiederholt und das sich Menschen ausgedacht haben. Gott ist ewige Evolution. Im Reich Gottes gibt es nichts Festgefahrenes, nichts Starres. Gott ist vollkommen und einmalig, unwandelbar. Gott ist aber auch Schöpfer und somit Geber unendlicher Fülle und Lebenskraft. Gott gibt und gibt, wodurch sich das ganze Sein, die Universen, in beständiger Ausdehnung und Evolution befinden.
In Gott gibt es also nichts Starres, nichts Statisches und somit auch keine Tradition. Die kirchlichen Traditionen sind vorwiegend Bestandteile aus dem Heidentum. Aspekte aus dem Heidenkult wurden der Lehre Jesu beigemischt, und es kamen Teile aus dem Alten Testament hinzu. Saulus, der später zum Paulus erhoben wurde, regiert mit in die kirchlichen, institutionellen Glaubensvorstellungen hinein.
Die kirchlichen Amtsträger und viele Kirchengläubige sind in ihren Traditionen erstarrt. Wer in diesem rituellen Ablauf mitmacht, der wird zu einem rituellen Mitläufer, der sich gläubig nennt. Was dabei Dichtung und Wahrheit ist, kann nicht mehr herausgefunden werden. Wer mitläuft, ist eben in diese Glaubenskongregation eingebunden.
Wer die institutionellen Traditionskirchen genauer betrachtet, kommt mit der Zeit zu der Erkenntnis, daß dies alles mit Gott, der die Gleichheit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit ist, nichts zu tun haben kann und schon gar nicht mit Gottes All-Liebe. Weil es nun kirchlich von Amts wegen so ist, wie es ist, sollte man Gott, den Ewigen, nicht als nicht-existent abtun. Ich wiederhole: In Gott existieren die Traditionskirchen nicht, doch Gott ist existent.
Kurt: Wenn ich dich so reden höre, kommen mir die Worte "geistiger Revolutionär" in den Sinn. Bist du ein geistiger Revolutionär oder gar ein Atheist, wie ich einer bin? Du stellst vieles in Frage, was Menschen, die ich als gläubige bzw. religiöse Menschen kennengelernt habe und die sich selbst auch als solche bezeichnen, nach ihren eigenen Aussagen üblicherweise glauben. Du lehnst das ganze kirchliche Brauchtum buchstäblich ab.
Ich stelle fest: Unsere Ansichten gehen nicht so weit auseinander, wie ich vor der Lektüre von "Prophet 13" gedacht habe. Deshalb habe ich dich ja auch um ein Gespräch gebeten, denn ich wollte genauer eruieren, in welcherlei Hinsicht wir, der Prophet und der Atheist, konform gehen. Ich war auf mehr Divergenzen gefaßt. Um so besser! Das verspricht höchst interessant zu werden.
Gabriele: Werter Gesprächspartner, in bezug auf die kirchlichen Institutionen und ihre Traditionen gleichen sich unsere Wertmaßstäbe, sie gleichen sich jedoch nicht, wenn es den wahren, den Einen Gott betrifft, welcher der Vater aller Wesen und Menschen ist.
Solange ich Gott in mir nicht gefunden hatte, war ich ein suchender, ängstlicher Mensch, der wohl betete, sich aber vor Gott fürchtete. Wie gesagt, war ich Katholikin und in die dementsprechenden Traditionen eingebunden, die ich jedoch selten mitmachte, und wenn, dann hin und wieder an sogenannten hohen Fest- gleich Feiertagen. Ansonsten war ich ein Mensch wie viele. Ich versuchte, an einen Gott zu glauben, und betete auch. Trotz dessen hatte ich meine Zweifel. Meinen Eltern zuliebe tat ich so, als wäre ich religiös. Ich war immer auf der Suche nach der Gerechtigkeit.
Um das 35. Lebensjahr erlebte ich in meiner Familie einen Schicksalsschlag, der in mir die Frage nach Gott und Seiner Existenz verstärkte. Ich begann, über den Sinn des Lebens nachzudenken und darüber, was Gerechtigkeit bedeutet. Als eine Suchende nach Gott - Wer oder was ist Gott? Und: Was ist Gerechtigkeit? - kam ich unter anderem auch mit Priestern ins Gespräch. In diesen Gesprächen mußte ich sehr bald feststellen, daß mir die dogmatischen Traktate bezüglich Gott nicht halfen, den Sinn des Lebens zu finden. Immer dann, wenn das Gespräch auf den Punkt kam - Wer oder was ist Gott? Warum läßt Gott die vielen Schicksalsschläge der Menschen, die Grausamkeiten und Brutalitäten an Menschen und Natur zu? -, hieß es: Das sind die Geheimnisse Gottes; wir Menschen können Seine Geheimnisse nicht ergründen.
Damit endete das Gespräch über "wer oder was ist Gott". Ich setzte dann noch folgendes hinzu: Er läßt sich also nicht in die Karten blicken. Die Trümpfe hält Er in der Hand und spielt sie nach Seinem Gutdünken aus. Der Leidtragende ist gerade der, dem Er - aus Willkür - die Bürde des Schicksals auferlegen möchte. - Die nächstfolgende theologische Phrase hieß: Wir haben aber die Möglichkeit der Gnade. Als ich dann fragte: Wann setzt die Gnade Gottes ein? - hieß es wieder: Das weiß allein Gott. Meine Antwort darauf hieß: Auch das ist wieder mal ein "Geheimnis" Gottes, Sein "Gutdünken". - Das Gespräch mit Theologen, einerlei welcher Fakultät und Prägung, war damit für mich zu Ende. Ich kam zu der Überzeugung, Theologen wissen nichts von Gott.
Theologe ist ein Beruf, ähnlich wie z.B. der Beruf eines Schreiners oder Zimmermanns, wobei das, was der Schreiner oder Zimmermann herstellt, zu sehen und zu greifen ist. Die Dienstleistungsberufe sind vielseitig. Was z.B. der Schreiner handwerklich erstellt, kann der Mensch erwerben und sich daran erfreuen, und sei es nur ein Kasten, der repariert wurde. Die Priesterkaste hingegen hat nichts Fühlbares, nichts Greifbares, nichts Spürbares anzubieten. Ein Zimmermann erstellt einen Dachstuhl, so daß die Menschen, die das Haus beziehen werden, darin beschützt sind vor Regen und einbrechender Kälte. Die Priesterkaste bietet den Menschen nur das Dach eines Kulthauses, das sie Kirche nennt. Nach spätestens einer Stunde Gottesdienst müssen die Gläubigen das "Gotteshaus" verlassen. Ob sie draußen ein Dach über dem Kopf haben, kümmert einen Theologen selten.
Der Beruf Theologe hat nichts Produktives aufzuweisen. Sein "Handwerk" bringt nichts Greifbares hervor. Es besteht aus Phrasen über Gott und Seine "Geheimnisse". Was Theologen allerdings anzubieten haben, ist der blinde Glaube an Gott - sofern aber der Gläubige an die theologischen Konstruktionen nicht glaubt, wird er von der Kirche mit Dachstuhl ausgeschlossen und ihm die ewige Verdammnis angedroht. Wer jedoch treu ein Kirchenschaf bleibt, der erlangt weitere theologische Angebote wie z.B. die Sakramente, die Erfüllung der Dogmen, jede Woche und zu bestimmten Festtagen bestimmte Zeremonien, das Ganze mit einem Schaugepränge verziert und mit den entsprechenden Gewändern garniert. Von alledem hat der Gläubige nichts; er bezahlt nur, z.B. für die Zwangseinweisung in die entsprechende kirchliche Institution durch die Säuglingstaufe, für die kirchliche Trauung und für das Begräbnis. Die Dachkonstruktion des Ganzen ist dann noch die Kirchensteuer. Will man den Menschen mit dem Haus Gottes vergleichen, dann muß man sagen: Es regnet in das Haus weiterhin hinein, denn es ist nicht mit der Wahrheit gedeckt.
Diese Gespräche mit Theologen bewogen mich, noch ernsthafter nach Gott und der Gerechtigkeit zu forschen und nach dem Sinn meines Lebens. Ich sprach sowohl mit vielen Lutheranern als auch mit Katholiken und mußte feststellen, daß mich viele verständnislos anblickten, wenn es um die Frage ging: Was ist der Sinn des Lebens?
Eines Tages sagte ein weit entfernter Bekannter zu mir: "Suche die Antwort deiner Fragen in dir, denn in dir ist Gott." Symbolisch gesprochen, bekam ich lange Ohren, entgegnete jedoch, seine Aussage wörtlich nehmend: Ich bestehe nur aus Fleisch und Knochen. Daraufhin antwortete er mir sinngemäß: Wir können nicht in die Himmel blicken und verstehen auch nicht die Sprache der Wahrheit, wenn wir uns nur nach außen orientieren und uns an kirchliche, institutionelle Traditionen binden. Wir müssen uns allmählich bewußt machen, daß jeder Mensch ein Tempel Gottes ist und daß in jedem Menschen die Wahrheit wohnt, die wir auch als Gott, Jehova, Christus, Sein, Allah, Heiliger Geist und dergleichen bezeichnen. - Er riet mir, ernsthaft zu beten und meine Fragen nach innen zu richten. Er sagte mir aber auch: Dein Leben ändert sich nur dann, wenn du dich änderst. Die Hilfe wäre, so meinte er, dein Leben nach den Zehn Geboten Gottes und der Bergpredigt Jesu auszurichten.
Meine Frage an ihn lautete: Warum bin ich Katholikin? Die Antwort lautete: Weil dich deine Eltern als Säugling in diese Institution hineingetauft haben; als Säugling konntest du dich nicht frei entscheiden. Jetzt hast du die Entscheidungsfreiheit: Entscheide so, wie du fühlst.
Bald darauf trat ich aus der Institution Kirche aus und fühlte mich wie neu geboren, also frei. Ich wußte: Meine vielen Fragen kann mir weder ein Theologe noch ein Kirchengläubiger beantworten. Ich dachte an ein altes Sprichwort, das lautet: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Das "Hilf-dir-selbst" verstand ich wie folgt: Zuerst zu beten und schrittweise die Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu zu erfüllen, so, wie es mir mein Bekannter empfohlen hatte. Das Weitere, darauf vertraute ich, würde Gott tun. Und ich machte die Erfahrung: Er tat es.
Ich begann, zu beten und mein Leben mehr und mehr nach den Zehn Geboten Gottes und der Bergpredigt auszurichten. Nach ungefähr fünf Jahren brach der geistige Auftrag hindurch, der, wie ich schon kurz erwähnte, in meiner Seele lag, die Aufgabe also, Sprachrohr des Ewigen zu sein. Die Stimme Gottes in mir ergriff mich, und ich ließ mich von ihr erfassen, von der einen Macht der Liebe. In den vielen göttlichen Belehrungen aus der ewigen Weisheit Gottes zum Prophetischen Wort bekam ich auf alle meine Fragen Antwort. Durch die Hinwendung zu Gott in mir lernte ich auch meine Mitmenschen zu verstehen. Von innen her wurde ich immer freier und glücklicher.
Die ewige Stimme in mir lehrte mich, was göttliche Gerechtigkeit bedeutet. Aus dem Wissen um die Gerechtigkeit Gottes und deren Umsetzung entwickelten sich in mir die Gesetzmäßigkeiten der Toleranz und Freiheit meinen Mitmenschen gegenüber. Die Gerechtigkeit Gottes besagt, daß jeder Mensch die absolute Freiheit besitzt, sich zu entscheiden: für Gott oder gegen Gott. Die freie Entscheidung beinhaltet jedoch die Verantwortung für das, was wir denken, reden und tun.
Es wurde mir zur Gewißheit: Die Entscheidung für die wahre Freiheit, die einzig Gott ist, bedeutet ein glückliches, friedvolles und gesundes Leben. Die Entscheidung gegen Gott bewirkt Unfreiheit, Gebundenheit, Abhängigkeit und unter Umständen ein schicksalhaftes Dasein.
Durch meine Entscheidung für Gott fühlte ich sehr bald die Gegenwart Gottes in mir. Ängste und quälende Sorgen wichen, denn das Vertrauen gegenüber Gott wuchs. Ich bin nun im Herzen glücklich, geborgen in Gott.
Bewußt sage ich: Im Herzen bin ich glücklich, geborgen in Gott. Die Ausübung des Prophetenamtes war und ist für mich als Mensch eine Bürde, aber es ist nun mal der göttliche Auftrag aus dem Reich Gottes, aus dem letzten Endes alle Wesen kommen, auch du.
Als Wesen in Gott, als Sein Kind, Seine Tochter, bin ich unendlich glücklich, froh und dankbar. Die mächtige Kraft der Liebe in mir zu spüren und sie in mir zu wissen, macht mich unabhängig und frei. Für mich bedeutet das: in und bei Gott zu Hause zu sein.
Kurt: Dies ist also deine Erfahrung, und ich muß sagen, das beeindruckt mich - ich sage es, wie es ist: es berührt mich. Du hast ein reiches Innenleben, das nehme ich dir ab. Ob allerdings tatsächlich, wie du sagst, alle Menschen dem Reich Gottes angehören - davon bin ich nicht so überzeugt wie du. Lassen wir es so stehen. Wer kann es beweisen?
Der sogenannte Gott hat nach deinen Worten also mit keiner äußeren Religion etwas zu tun. Aber du bist doch religiös?
[...]
Kurt: Werte Gesprächspartnerin, du hast viele, mir zum Teil unbekannte Begriffe verwendet, hast mir deine "religiöse Welt" vor Augen geführt, mir das Bild serviert von einer ewigen, unwandelbaren Existenz, die, wenn ich dich richtig verstanden habe, zugleich unendlich ist, die Geist, Kraft, Sein, Ur-Intelligenz in einem ist, Gott, Schöpfer, All-Geist und vieles mehr. Das kann ich gar nicht auf einmal verarbeiten. Der Brocken ist zu groß, als daß ich ihn schlucken könnte. Ich muß erst alles in meinem Kopf sortieren, um dir weitere Fragen stellen zu können.
Auf alle Fälle weiß ich jetzt: Man kann mit dir reden. Du willst mir dein Gottesbild nicht aufzwingen, sondern sagst frei und direkt, wie du es siehst, wie du fühlst und denkst. Ich dachte immer, ein Prophet ist der Hammer von irgendeiner außerirdischen Energie - vielleicht auch von der produzierten Energie vergangener Generationen -, der auf die Menschen einhämmert, damit diese tun, was er, der Prophet bzw. die außerirdische Energie, will.
Damit du nicht etwa falsche Schlüsse ziehst - ich bleibe Atheist, auch wenn ich längst der Überzeugung bin, daß keine Energie verlorengeht, auch nicht die von unseren Vorfahren - also von den Generationen vor uns - geschaffene Energie. Verstehst du, was ich meine? Ich habe mich mit solchen Fragen ein bißchen beschäftigt und finde das hochinteressant! Das sind also Energieansammlungen. Die füllen unsere Welt, unseren Lebensraum, haben Einfluß und sind von Bedeutung und können den Lauf der Dinge und Ereignisse m.E. mehr mitbestimmen, als man gemeinhin weiß. Auf dafür empfängliche Menschen können diese Energien einwirken und sie zu bestimmten Aussagen und Handlungen anregen.
Gabriele, ich bin zwar überzeugter Atheist - es ist ja aber nicht so, daß ich an gar nichts glaube! Ich hasse es nur, wenn man mir dreinredet und mich vom Gegenteil überzeugen will. Von dir fühle ich mich frei gelassen. Und ich spüre, daß du ein freier Geist bist, mit dem man reden kann, allerdings mit dem Touch des Glaubens an eine überirdische Intelligenz, woran ich meinerseits sehr meine Zweifel habe.
Gabriele Werter Gesprächspartner, auch mit dir läßt sich’s gut reden, denn du bist kein fanatischer Atheist. Du sprichst von der Energie, die nicht verlorengeht, und von Energien, die von früheren Generationen herrühren können. Wenn dies so ist - woran ich nicht zweifle -, dann darf aber auch die Ur- gleich All-Energie nicht ausgeschlossen werden, die auch Weltall-Geist genannt wird oder Weltall-Gesetz, das durch Menschen zu reden und zu wirken vermag, die sich auf die Ur-Energie, also auf das Weltall-Gesetz, auch All-Gesetz oder Gott, genannt, einstimmen, indem sie das befolgen, was Gottes Wille ist. Dadurch richten sich solche Menschen auf den Ur-Sender GOTT aus und empfangen von Ihm, von Gott. Sie empfangen die hohe, reine Energie, die göttlich ist.
Vor vielen Jahren sprach das Weltall-Gesetz, der göttliche Geist, Christus, durch mich, daß Atheisten es viel leichter haben, Gott und das Göttliche zu erfassen, als gebundene Kirchenchristen, die in ihren Traditionen und Glaubensanschauungen erstarrt sind und die Freiheit, selbständig zu denken, zu erkennen und auch entsprechend zu handeln, der Kirchenraison geopfert haben.
Ich will dir nichts ausreden und nichts einreden; in meinem Herzen fühle ich: Du bist ein Suchender. Bezeichne dich ruhig weiter als Atheist; das gibt dir gegenüber meinen Antworten und Aussagen eine gewisse Distanz, die für unser Gespräch nur von Gewinn sein kann.
Kurt: Bevor ich dich um eine Zeit zum Nachdenken bitte, damit ich alle Eindrücke und Informationen sortieren kann, um dann wieder präzise Fragen zu stellen, habe ich doch noch eine Frage, die meinen Fragenkatalog bezüglich der Kirchen abrundet. Obschon du keine Kirchengläubige bist, stelle ich dir die Frage: Gehst du hin und wieder in die Kirche, und sei es nur an besonderen kirchlichen Feiertagen wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten? Wie man so hört, besuchen viele unserer Mitmenschen, die nach eigenen Aussagen der Kirche und ihren Lehrinhalten innerlich fernstehen, an solchen Tagen Gottesdienste. Viele von ihnen sind trotz ihrer mehr als kritischen Haltung sogar noch zahlende Kirchenchristen.
Gabriele: Ich gehe nicht nur an hohen Feiertagen in die Kirche, sondern jeden Tag. Außerdem bin ich bestrebt, mich sehr viel in der Kirche ...
Kurt: Halt, Moment mal! Das ist nun aber starker Tobak! Ich bin enttäuscht. Ich dachte, du seiest konsequent. Also auch du machst diesen äußeren kirchlichen Festtagszauber mit, auch du gehst in die Kirche wie so viele andere, die angeblich mit den Kirchen nichts am Hut haben. An hohen Feiertagen bekommen sie - also auch du - Gewissensbisse und absolvieren pflichtbewußt den Kirchenbesuch. Mir sind einige solcher Kirchgänger bekannt, die an solchen Feiertagen nicht nur treu und brav einen Gottesdienst besuchen, sondern auch entsprechendes Buß- oder Opfergeld - gleich, wie man das nennen will - geben und dazu beitragen, den Opferstock zu füllen. Diese "Festtagskirchgänger" sind der Ansicht, damit ihre christliche Pflicht erfüllt zu haben. Eventuell haben sie das vage Gefühl, daß Gott sich damit milde stimmen läßt - wie ja auch so mancher, der Geld und Güter besitzt oder erbt, vor seinem Tod einen guten Teil der Kirche vermacht, sich also die Lossprechung erkauft und womöglich den Himmel der "einzig seligmachenden Kirche".
Ich kenne einen, dessen Familie - die Hinterbliebenen - auf diese Weise unversehens in recht schwierige Lebensverhältnisse geriet, weil der gute Mann zu seinen Lebzeiten heimlich sein beträchtliches Vermögen bis auf weniges für seinen Platz im Himmel ausgegeben, also der Kirche vermacht hatte. Leider konnte dann keiner mehr an der Sachlage etwas ändern - der Mann war tot, und die Angelegenheit rechtlich unanfechtbar.
Trotz der abfälligen Ansichten so mancher Festtagskirchgänger über ihre Kirche wird weiter Kirchensteuer bezahlt, um ja sicherzugehen, vom Gott der Rache nicht in die ewige Verdammnis geworfen zu werden. Wenn du, Gabriele, an hohen Feiertagen auch die Kirche aufsuchst, dann bist du ebenso inkonsequent wie diese. Sagtest du nicht soeben etwas von "erkennen und entsprechend handeln"? Ich kenne mich bei dir nicht mehr aus! Ich hatte gerade begonnen, deine Ansichten für ganz vernünftig zu halten. Hast du vielleicht ebenfalls Angst vor diesem Gott - bezeichne Ihn, wie du willst -, daß Er dich in die ewige Verdammnis schicken könnte?
[...]
Kurt: Entschuldige bitte, wenn ich bezüglich des Tempels Gottes, welcher der Mensch sein soll, einen bekannten Ausspruch zitiere: Wer’s glaubt, wird selig - womit ich meinen diesbezüglichen Zweifeln Ausdruck verleihen möchte.
Warum bist du eigentlich gegen die beiden Kirchen, die katholische und die evangelische? Du glaubst an d e i n e n Gott, die Katholiken und Protestanten glauben an i h r e n Gott. Daraus folgt meines Erachtens doch nur: Es gibt mehrere Götter, und jeder betet seinen Gott an.
Gabriele: Ich bin nicht gegen katholisch und lutherisch, und schon gar nicht gegen Katholiken und Protestanten. Meinetwegen können beide Institutionen, römisch-katholisch und lutherisch, weiter existieren, und ihre Gläubigen können sich weiter mit ihrem Katholizismus und Protestantismus beschäftigen, wenn sie es so wollen. Jeder kann glauben, was er will. Fatal und niederträchtig ist nur, daß sich beide kirchlichen Institutionen des Namens des Jesus, des Christus, bemächtigen, indem sie zu ihren heidnischen Kulten, zu ihrem Kirchenglauben "Christliches" hinzusetzen. Ich bin einzig gegen das Wort "christlich" in diesen beiden Amtskirchen, denn man soll für seine persönlichen Zwecke weder Menschen mißbrauchen, geschweige denn den Namen des Jesus, des Christus Gottes.
Das Mischgut - viel heidnisch und ein wenig christlich - ist Irreführung der Gläubigen, denn was beide Amtskirchen, die auch als Staatskirchen bezeichnet werden könnten, lehren und praktizieren, ist römisch-katholisch und lutherisch, aber nicht christlich. Es sind - wie schon gesagt - bei der Rom-Kirche heidnische und altrömische Bräuche und Ansichten. Die Luther-Kirche schöpft aus dem Repertoire des Martin Luther, der wahrlich mit Christsein und somit mit Jesus von Nazareth wenig zu tun hat. Die Priesterkaste beider Institutionen zitiert wohl aus ihrer Bibel, doch von der Erfüllung der "heiligen Schriften" sind sie weit entfernt. Die Praxis "römisch-katholisch" und "lutherisch" dominiert.
* * *
Kurt: Hallo, Gabriele, jetzt bin ich wieder mit weiteren Fragen gerüstet. Mehrere Tage habe ich über unser kurzes Gespräch nachgedacht und über so manchen Begriff, den du gebraucht hast.
Es hat in mir ziemlich rumort. Manches von dem, was du sagtest, war mir im ersten Augenblick seltsamerweise gar nicht so verkehrt vorgekommen, aber je länger ich mich nun damit beschäftigte, desto mehr fielen mir die schlagkräftigen Gegenargumente ein. Obwohl ich mich durch Lesen früher schon recht gut informiert hatte, habe ich nun weitere einschlägige Literatur zu Rate gezogen, und ich muß sagen, das hat mich nicht ruhiger gemacht. Es ist eine ordentliche Empörung in mir aufgestiegen; meinetwegen bezeichne sie als Aufsässigkeit, das ist mir egal. Trotzdem will ich mir Mühe geben, dir alles so ruhig wie möglich zu unterbreiten.
Ich habe mir gut gemerkt: Du bezeichnest Gott auch als "All-Kraft" oder "All-Geist" oder "Weltall-Geist oder Weltall-Gesetz"; es sei also eine energetische Kraft, die überall gegenwärtig, also allgegenwärtig sein soll. Sollte das wahr sein, sollte dieser Gott tatsächlich in allem gegenwärtig sein, sollte Gott wirklich die große Liebe, die Freiheit und Gerechtigkeit und der Vater aller Seiner Kinder, einschließlich uns Menschen, sein, und sollte Er wirklich über ein mächtiges Reich herrschen, in dem das Maß aller Dinge der Friede, die Liebe, die Einheit und Gerechtigkeit ist, in dem die absolute Freiheit ein wesentlicher Bestandteil des Gesetzes ist - wäre das alles wahr und real, dann müßte dieser Gott die Ungerechtigkeit in dieser Welt mit Seiner allgegenwärtigen Macht und Kraft bekämpfen! Er müßte - wenn Er ein mächtiger Herrscher wäre - z.B. ein göttliches Reichsheer aufstellen, das in die Welt einmarschiert und alles Ungerechte schlicht und einfach auslöscht.
Außerdem, wenn Jesus Gottes Sohn sein soll, der als Mensch unter Menschen gelebt haben soll und der angeblich ein gerechter Mann war, der tat, was Gott wollte, dann würde Er doch diese Welt und alle trügerischen Machenschaften kennen. Für Ihn wäre es doch ein Leichtes, dieses "Reichsheer" zu führen. Aber es geschieht nichts dergleichen, ganz im Gegenteil: Der Name Jesus bürgt in den Augen vieler Christen - allerdings nur im christlichen Abendland - für Qualität. "Christlich" gilt als Gütezeichen - in religiöser Hinsicht und ebenfalls in den christlichen Parteien.
Ich habe mich mit dem Glauben der verschiedenen Religionen befaßt und die Zusammenhänge Religion - Politik näher in Augenschein genommen. Dabei bin ich zu der Ansicht gekommen, daß die meisten Religionszugehörigen Schausteller sind, besonders die, welche dem Volk vorstehen wollen. Wer z.B. die "Schausteller" der christlichen Parteien genauer unter die Lupe nimmt, ihre Gesinnung, ihr Verhalten, ihre Ethik, Normen und Werte, der wird früher oder später meine Ansicht teilen, daß es verschiedene Götter gibt, je nach der Willkür der Religion und der C-Parteien. Jeder macht sich seinen Gott zurecht, quasi maßgeschneidert für seine speziellen Bedürfnisse, seine Ansprüche, seine Ziele - ganz nach Zweckdienlichkeit.
Wenn dein Gott der Gott des Friedens, der Liebe, der Einheit, der Gerechtigkeit und Freiheit ist, dann haben die christlichen Kirchen und die christlichen Parteien jeweils einen anderen Gott. Das ist in nichtchristlichen Kulturkreisen auch nicht anders. Der Hinduismus, der Buddhismus, der Islam, die Juden und weitere haben jeweils ihre Götter mit unterschiedlicher Qualität und unterschiedlichen Ansprüchen. Zum Beispiel verlangt der Gott der Moslems, daß sich der Gläubige auf die Knie wirft usw. Der katholische Gott verlangt, daß seine Gläubigen bei der Anbetung einmal aufstehen, dann wieder in die Knie gehen u.a.m. Auch das Händefalten möchte dieser Gott offenbar anders als der Luther-Gott. Der Gott der Rom-Kirche will zusätzlich noch Weihrauch, Weihwasser und andere Krücken zur Verehrung. Die Götter des Hinduismus und des Buddhismus wollen Gong-Klänge, daß ihnen Räucherstäbchen angezündet und Gebetsmühlen gedreht werden und was der Ergebenheitsbezeugungen mehr sind.
Die Formen der Anbetung der diversen Gottheiten will ich nicht alle aufzählen. Wer sich damit einmal beschäftigt, merkt: die Variantenvielfalt ist uferlos.
Warum die vielen unterschiedlichen Götter, von denen jeder anders verehrt und angebetet werden will? Kann es sein, daß sie den einen Gott, von dem du sprichst, in ihren Glaubensvorstellungen nicht mehr haben wollen? Gabriele, du hast mir doch einiges Einprägsame von deinem Gott erzählt, und ich möchte dich ernst nehmen. Ich habe da eine interessante Formulierung bei Dostojewski gelesen. In seiner Parabel "Der Großinquisitor" sagt der Kardinal in etwa zu Jesus: "Wir haben Deine Lehre verbessert. Dich lassen wir nicht mehr herein." Verstehe ich das Ganze richtig, dann muß der gekreuzigte Jesus am "christlichen" Kreuz bleiben.
Es ist unumstritten und in Geschichtsbüchern und Enzyklopädien aller Art nachzulesen, daß der Gott der "christlichen Amtskirchen" ein grausamer Gott ist und der der christlichen Parteien ein einseitiger Gott und dessen Sohn die personifizierte Grausamkeit in den Gottesbeauftragten, den kirchlichen Amtsträgern, sowohl der katholischen als auch der evangelischen Fakultät. Jesus präsentierte sich durch "christliche" kirchliche Obrigkeiten, mit deren Billigung oder gar auf deren Veranlassung hin Gottes Wille auf der Erde durch Henker, Totschläger, Quäler, Diebe, Vergewaltiger et cetera pp ausgeführt wurde. Dabei denke ich unter anderem an die Kreuzzüge, bei denen im Namen Gottes und Seines Sohnes Andersgläubige beraubt und brutal niedergemetzelt wurden, und auch an die Verfolgungen im Mittelalter, an bestialische Folterungen von Christenmenschen, ebenfalls im Namen Gottes und zu Seiner Ehre. Ein Gott des Schreckens, der sich da zeigt! In den "christlichen" Parteien präsentiert Er sich als parteiisch, bürdet den Bürgern schwere Lasten auf, macht die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer. Daß die Armen trotz dieser eklatanten Ungerechtigkeit immer noch Angst vor der ewigen Verdammnis haben und eventuell deshalb Kirchensteuer bezahlen, sich also weiterhin zur Kasse bitten lassen, das ist ihre Sache. Sollen sie doch mal alle aufwachen und endlich kapieren, daß man ihnen etwas vormacht. Sollen sie doch mal ihren Verstand gebrauchen, statt sich die Hölle heiß machen und sich entmündigen und entmutigen zu lassen!
Nach diesen schlagenden Beweisen kannst du doch nicht weiter behaupten, daß es einen Gott gibt, der auch noch milde, mildtätig und gerecht sein soll. Ganz im Gegenteil! Und was ist mit den grausamen Morden in den Kreuzzügen und all den Scheußlichkeiten, die von der "unfehlbaren" römisch-katholischen Kirche ausgingen - im Namen Gottes, versteht sich!? Oder wer die Schandreden Luthers von mehreren Seiten her beleuchtet - z.B.: Schlagt die Bauern tot! und: Verbrennt die Synagogen! -, der wird leider nicht anders können, als einzusehen, daß angesichts dieser Grausamkeiten Gott und Sein Sohn Verbrecher und Mörder sind. Außer, es gibt, wie gesagt, mehrere Götter; Götter dutzendweis, unterschiedlichster Couleur. Die einen haben z.B. den Rachegott, den grausamen Gott, die anderen den liebenden Gott, den liebenden Vater, wieder andere haben wieder andere Götter, die sie anbeten und verehren, wie diese es erwarten und verlangen.
Die Kreuzzüge und das Morden im Mittelalter geschahen im Namen des "christlichen" Gottes und Seines Sohnes, also immer des einen Gottes. Vieles geschieht heute noch in Seinem Namen, das mehr als ungerecht ist. Ein Gott oder mehrere Götter - was soll man glauben?
Ich wiederhole immer wieder, daß nur ja keiner auf die Idee kommt, du oder andere könnten mich von ihrem Gott überzeugen: Ich glaube nicht an eine höhere Macht, und sollte eine existieren, dann ist sie unberechenbar, einseitig, grausam, brutal und ausschließlich auf sich bezogen. Wäre Gott oder Jesus, von dem du sprichst, gerecht - außer, du sprichst von einem anderen Gott; man kennt sich ja kaum mehr aus auf der Skala der Götter -, dann hätten beide schon längst das, was in ihrem Namen geschah und geschieht, unterbunden und die Urheber zur Rechenschaft gezogen und nicht zugelassen, daß die Menschheit weiterhin in die Irre geführt wird.
In den Kirchen wird von der Liebe Gottes und der Liebe Jesu geredet und gleichzeitig mit der ewigen Verdammnis gedroht. Das sind Widersinnigkeiten, die jedem Denkenden ins Auge stechen. Die ehemalige Zwangschristianisierung Andersgläubiger, wie z.B. der Indianer, setzt sich heute noch in der Säuglingstaufe fort und in der Indoktrination der Schulkinder im Religionsunterricht. Was bei dieser Rekrutierung herauskommt, ist ein sogenannter "gläubiger Christ". Das kann doch nicht ein Gott der Freiheit und des Friedens sein! Unter den sogenannten "gläubigen Christen" waren schon immer viele Verbrecher, und das ist heute beileibe nicht anders. Und Gott, die angebliche Liebe, Gerechtigkeit, Allwissenheit und Allmacht, schaut dabei zu! Entweder gibt es mehrere Götter verschiedener Qualität - oder gar nichts; oder einer von euch täuscht sich: entweder der Prophet oder die Amtsträger der christlichen Kirchen und die Vertreter der C-Parteien.
Gabriele, hast du schon einmal einen ein bis drei Wochen alten Säugling gesehen, der fähig gewesen wäre, für sich eine lebenswichtige Entscheidung zu treffen?
Gabriele: Nein. Das kann kein Säugling. Die Eltern tun es für ihn.
Kurt: Richtig. Sie übergeben ihn dem Schoß der allein seligmachenden Kirche. Unter deren Einfluß und auf die Einflüsterung hin, sie retteten damit seine Seele.
Auch ich wurde als Säugling zwangschristianisiert. Ich soll bei der Taufe damals in der Kirche ein fürchterliches Geschrei angestimmt haben. Kein Wunder! Ich werde schon gewußt haben, warum.
Als ich dann mit 18 Jahren durchsetzte, was ich schon lange zuvor wollte, und aus dieser Kirche austrat, hatte ich mit meiner Mutter und meinen Verwandten die größten Schwierigkeiten, denn ich nannte sie "Blindgänger". Damit meinte ich: Menschen, die heute noch blind einem "christlichen" Rachegott folgen, der mit Hilfe Seiner Diener, der kirchlichen Amtsträger, derart gewütet hat, daß es mir vorkam, als sei Er ein lüsterner Meuchelmörder. Er und Sein Sohn Jesus, der es - trotz Allmacht und All-Gerechtigkeit - zuließ, daß in Seinem Namen gemordet, vergewaltigt, hingerichtet, geplündert, geraubt wurde etc. sind für mich nicht besser als die, welche in der damaligen Inquisition die Ausführenden waren.
Das Buch, das die Kirchen als die Wahrheit bezeichnen, ist ein Buch, in dem die Grausamkeiten begründet sind, die sie in der Inquisitionszeit ausgeführt haben und wonach sie sich nach meinen Beobachtungen in vielen Fällen heute noch richten. Über die Bibel ist ein Strom von Blut geflossen - und muß sie nicht heute noch herhalten, wenn Menschen verurteilt und gerichtet werden?
Übrigens, die Bibel ist das beste Buch für Gewalttäter - ein exzellentes Lehrbuch der Grausamkeit! Mose gab darin spezielle Anleitungen zur Durchführung von Greueltaten. Dieses Buch zeigt auf, wie man es mit anderen halten soll, die nicht tun, was "Gott will", oder die das tun, was Gott "nicht will". War Mose ein Krimineller, oder ist Gott, der angeblich durch Mose die Anleitungen zu Mord und Totschlag gab, kriminell?
Von meiner Mutter weiß ich, daß die katholische Kirche sinngemäß sagt: Jesus hat das Alte Testament aufgehoben. Wenn dem so wäre, warum hat Er dann die Kreuzzüge veranlaßt, die Vorgängen im Alten Testament gleichen? Und warum ist dann das Alte Testament noch in der Bibel? Die Worte meiner Mutter klangen mir lange in meinen Ohren. Daraufhin las ich in der Bibel und suchte, womit Jesus das Alte Testament aufgehoben haben sollte. Folgende Worte las ich: "Denkt nicht, ich sei gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern um zu erfüllen."
Entweder meint Jesus damit die Aufhebung des Alten Testamentes oder daß Gott durch die Propheten anders sprach. Auch Mose war ein Prophet. Oder wurden die Grausamkeiten, die im Alten Testament zu lesen sind, von den damaligen Priestern hineingedichtet? Hätte Jesus tatsächlich das Alte Testament aufgehoben, dann hätte Er auch diesen Gott unmöglich gemacht und Seine Gebote für nichtig erklärt - denn diese gehören bekanntlich auch zum Alten Testament. Ist also das Alte Testament ungültig, dann hieße dies, daß Gott veränderlich ist, also ein Gott der Willkür. Ist dieser Gott wandelbar, dann können die Gläubigen Ihm nicht trauen. Wer weiß, ob Er morgen nicht wieder andere Pläne hat? Oder hat sich Jesus über diesen "launischen Gott" gestellt, um Seine eigene Lehre an den Mann zu bringen? Zu letzterem ist zu sagen: Seine Gefolgsleute, die Vertreter beider Kirchen, haben, bei Licht betrachtet, Seine Lehre auch nicht angenommen. Eventuell dachte Jesus, Er könne die Gebote Gottes mit Seiner Bergpredigt ersetzen; diese ist aber für beide Kirchen Utopie.
Also, was gilt noch? Wer ist Gott? Wer war Jesus? Die Vertreter der christlichen Kirchen lehnen beide ab: sowohl den Gott des Alten Testamentes als auch letztlich Jesus. Allerdings verwenden sie - geschickt ausgewählt und gezielt angebracht - Splitter aus dem Alten und Neuen Testament. Mit diesen Splitter-Lehren ritzen die Diener Gottes das Gemüt der Masse des Volkes auf. Ist die Gemütslage der einzelnen Menschen entsprechend angeregt, dann werden diese zu Gläubigen, die gläubig Kirchensteuer zahlen. Und warum? Weil sie Angst haben! Und dann willst du, werte Gesprächspartnerin, mir weismachen, daß Jesus die Liebe sei und daß Gott ein Vater der Liebe sei und daß Er ein Reich besäße, das ein Reich des Friedens sein soll?!
Schau dir die heutigen Pfarrer und Priester genauer an! Ob es die Bischöfe oder Kardinäle sind oder gar der Papst, sie alle erinnern mich mitunter an Pfauen, deren Federn heute noch bunt schillern, wie einst im Mittelalter. Soweit mir bekannt ist, tragen sie ihre von der Masse der Menschen abgehobenen Gewänder zur Ehre Gottes. Und die Nonnen, die angeblich Bräute Christi sein sollen, werden dazu angehalten, ihre Gebete herunterzurattern. Die Mönche in ihren Kutten geben für meinen Geschmack auch kein besseres Bild ab. Und das alles - wozu? Es scheint so, als wünschten sich die verschiedenen Götter nicht nur unterschiedliche Anbetung und Verhaltensweisen von ihren Gläubigen, sondern auch die jeweils entsprechende Aufmachung in Gestalt von Gewändern mit dem dazugehörenden Gehabe. Es scheint, als wolle jeder der vielen Gottheiten auf eine andere Art und Weise besänftigt und hofiert werden!
Gabriele: Könnte es nicht aber doch sein, daß sich der eine oder andere Mensch dazu entscheidet, als Mönch oder Nonne ins Kloster zu gehen, um Gott zu dienen und Ihm näherzukommen?
Kurt: Das kann ja sein, aber das ganze System ist total falsch! Und gesetzt den Fall, da wäre einer, wie man sagt, "reinen Herzens" - also ganz und gar auf Gott aus -, er wird kaum "reinen Herzens" bleiben! Du mußt nur mal nachlesen, wie es in Klöstern und in der ganzen Kirche zugeht! Vieles Lug und Trug weit und breit, von Gott oft keine Spur!
In diesem ganzen Komplex "Kirchen" liegt eine riesengroße Diskrepanz, eine Widersprüchlichkeit. Die sogenannten "Bräute Christi" und die Mönche, die durch ihre Kleidung und ihr Leben dokumentieren wollen, daß sie einzig Gott und Jesus dienen, um diesen beiden näherzukommen, führen ein sehr bescheidenes Dasein. Mir scheint, man hat hier zumindest den grundsätzlich guten Willen, sein Leben auf "Gott im Himmel" auszurichten, mit welchem Erfolg auch immer. Und ob es in rechter Weise geschieht, erscheint mir ebenfalls höchst fraglich - bei dem System und der Lehre!
Selten belehren die Klosterleute ihre Mitmenschen, wie diese leben sollen, um ihrem Gott näherzukommen, also hinaufzukommen, zu dem, der angeblich über allem stehen soll. Quasi der Gott von oben. Nur einzelnen Menschen geben sie ihre Lehranweisungen mit, z.B. denen, die zu ihnen ins Kloster kommen.
Die Nonnen und Mönche haben keine prunkvollen Gewänder, wie sie die kirchlichen Obrigkeiten zur Ehre Gottes tragen. Ist also der Gott der Nonnen und Mönche ein anderer als der der Bischöfe, Kardinäle, Priester, Pfarrer und des Oberhauptes der katholischen Kirche, des Papstes? Außerdem, die nach oben zu ihrem Gott wollen, die Mönche und Nonnen, nehmen, wie gesagt, auf andere Menschen sehr selten Einfluß - wohingegen Pfarrer, Priester, Bischöfe, Kardinäle und nicht zuletzt das Oberhaupt der katholischen Kirche in ihren prächtigen Gewändern mit diversem Zierat Predigten halten, ihre "heiligen Messen" zelebrieren und den Gläubigen die Beichte abnehmen. Sie unterweisen die Sünder, daß diese eben nun mal Sünder sind, und stellen denen, die nicht so recht folg- und fügsam sind, die ewige Verdammnis in Aussicht.
Welchen Gott beten die "Hochwürden" wohl an? Ist es der, den sie in ihren salbungsvollen Predigten zitieren und in ihren Litaneien besingen - oder ist es der Gott der Macht, des Einflusses und der Ränke, der Gott des Geldes und des Ansehens? Ihr "Gütesiegel" Jesus Christus hat, so viel ich weiß, den Schätzen dieses Gottes nicht das Wort geredet, sondern gesagt: Sammelt euch Schätze im Himmel.
Wenn der Gott, dem die kirchlichen Amtsträger dienen, also nicht im Himmel denkbar ist, wo dann? Dann kann es nur "Gott von unten " sein. Also nicht der Gott von oben, nicht aus der himmlischen Welt, sondern die diametral andere Richtung - für mich ganz klar: der Gott der Unterwelt.
Wenn die protzigen Gewänder und all der Aufputz der Kardinäle, Bischöfe, der Priester und des Papstes und deren pfauenartiges Verhalten gottgefällig ist, dann hat doch der normale Bürger keine Chance, irgendeinem dieser Götter näherzukommen, da jeder Gott besondere Vorzüge von seinen Nachfolgern verlangt.
Wie ich schon sagte: Wenn man das ganze Drumherum um die verschiedenen Götter näher beleuchtet, gewinnt man den Eindruck, daß es z.B. in der katholischen Kirche mindestens zwei Götter geben muß: den "Gott von oben", dem die Nonnen und Mönche zustreben, und den "Gott von unten", den die kirchlichen Würdenträger vertreten. Müßte es, genau genommen, nicht noch einen dritten Gott geben - den des Volkes, den die Masse verehrt? Das Ganze ist für mich so verworren, daß ich mir den geradlinigen Weg gewählt habe, Atheist zu sein.
Wenn ich an die riesigen Kreuze denke, die "Geweihte" der Kirche auf ihrer Brust tragen, um eventuell Gott noch mehr lieb Kind zu sein, dann hat der einfache Mann, der brav und gläubig seine Kirchensteuer zahlt, überhaupt keine Möglichkeit, in den Himmel zu kommen. Wenn dem so ist, stellt sich die Frage: Wofür dann Kirchensteuer? Eventuell um der ewigen Verdammnis zu entrinnen? Im Falle, daß Otto Normalbürger dafür bezahlt - wo ist er nach seinem Leibestod, wenn er nicht in den "Himmel" eingehen kann?
Gehört es auch "zur Ehre Gottes", daß nicht wenige Seiner "würdigen Diener" auffällig wohlbeleibt daherkommen und ihre oft massigen Gesichter mit einer gewissen Arroganz zur Schau tragen? Nein danke - mit dem ganzen will ich nichts zu tun haben; laß mich mit Gott, einerlei, an welchen der vielen du glaubst, zufrieden. Mir sind sie allesamt suspekt und zuwider.
Ich könnte beliebig fortfahren, z.B. in bezug auf die Selig- und Heiligsprechungen der katholischen Kirche oder die Reliquenverehrung oder gar die Verehrung einer Leiche am Kreuz usw. Das ist doch alles in allem absurd. Das kann nur einer glauben, der seinen Verstand an die Kirche verkauft hat. Was sich im "Reich Gottes" so alles tummelt, wie z.B. die Seligen und Heiligen! Da gäbe es für mich einfachen Bürger keinen Platz.
Ein Atheist ist ein freier Mensch. Ich glaube an all den Aufwand und das Spektakel um einen Gott oder einige Götter nicht und nicht an den sogenannten "Gottes Sohn". Die katholischen Amtsträger sind der Ansicht, sie seien eine einmalige Spezies von Menschen, weil sie auf ihrem Panier stehen haben: "allein seligmachende Kirche". Derselbe Dünkel zeichnet so manchen "christlichen" Abgeordneten und Minister aus.
Gabriele, bei unserem ersten Gespräch dachte ich, du verstehst mich. Als ich aber über deine Worte von Gott und Seinem Sohn, dem Jesus, den du den Christus nennst, länger nachdachte, kamen mir all diese Gedanken erneut hoch und noch viele mehr, die ich hier lieber nicht ausspreche. Das ist also in etwa der Hintergrund für meine Überzeugung, für meinen "Glauben", wenn du so willst. Es sind zum großen Teil meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen, aus denen ich meine eigenen Schlüsse gezogen habe. Daraus entwickelte sich als Konsequenz mein heutiger Standort: Atheist.
Wer das, was in dieser Welt geschah und geschieht, zuläßt, obwohl er die Macht hätte, es zu verhindern, der ist der schlimmste Verbrecher, der sich denken läßt, und muß wohl selbst eine Art von Freude an diesem himmelschreienden Unrecht haben. Man denke unter anderem an die unzähligen Leiden der Menschheit, die Nöte der Bedürftigen, die Hungersnöte der Ärmsten, die Krankheiten, Seuchen und die Zerstörung des Hab und Gutes - gerade der Ärmsten - in den Katastrophengebieten. Und dann der krasse Gegensatz dazu: die Reichen, die nur darauf bedacht sind, auf Kosten von Minderbemittelten ihren Reichtum zu vergrößern, die in ihrem Vermögen geradezu schwelgen, förmlich baden, und vor Arroganz und Machtgier nicht mehr wissen, was sie noch alles tun sollen, um ihr Vermögen zu vermehren und abzusichern. Sie, die mit ihren Wertpapieren an den Börsen der Welt zu Hause sind und mit ihrem Vermögen jonglieren, um noch reicher zu werden, können doch an einen gerechten Gott nicht glauben!
Sage mir, Gabriele, ist das Adjektiv "christlich" von dem Namen "Christus" abgeleitet? Und was bedeutet es?
Gabriele: Ja, "christlich" kommt von "Christus" und bedeutet, je nach Zusammenhang, soviel wie: im Sinne bzw. im Geist des Christus; nach der Art und Lehre des Christus; in der Nachfolge des Christus; sein und handeln nach dem Vorbild des Christus - und dergleichen.
Kurt: Also! Es ist ein Hohn, daß sich gerade viele dieser "Machtgötter" "christlich" nennen. Sie sind es, die heute noch in den Kirchen - wie vor 2000 Jahren - auf den ersten Plätzen sitzen und sich auch auf diese Weise dem zahlenden Kirchenvolk zur Schau präsentieren. So mancher dieser Hochgeschätzten hat zwei bis drei Ehefrauen hinter sich gelassen, um jüngeren Weiblichkeiten den Vorrang zu geben. Sagte Jesus: "Ihr sollt euch Schätze sammeln und sie vermehren, sie vor Motten und Rost schützen, und sollt Diebe, die nachgraben, um zu stehlen, verfolgen, um sie den Gerichten zu übergeben"? Sagte Er auch: "Ihr Reichen, setzt euch in die ersten Plätze in euren Kirchen aus Stein, die ihr Gotteshäuser nennt, und haltet eure Gebetsriemen breit und hoch, damit euch das zahlende Volk sieht und bei der Stange bleibt und weiter zahlt"? Und sagte Er auch: "Wenn dir eine Frau nicht mehr gefällt, dann nimm eine zweite; und gefällt dir diese nicht mehr, dann nimm eine dritte, wenn möglich immer jünger; begehe also Ehebruch, so oft, wie du willst. Und halte dir, wenn du noch möchtest, Nebenfrauen, ganz wie es dir beliebt - doch laß die Gläubigen zahlen, zahlen, zahlen"? Oder sagte Jesus etwas anderes?
Werte Gesprächspartnerin, ich kenne die Bibel der "geistlichen Hochwürden" ziemlich genau. Atheist wurde ich nicht zum Vergnügen oder um eine Rechnung für meine kirchliche Indoktrination begleichen zu wollen. Ich habe mich genau umgesehen und, wie du siehst, auch die Bibel unter die Lupe genommen und habe das Verhalten der kirchlichen "Würdenträger" und der Reichen, die in den verschiedenen Positionen sitzen und sich das Mäntelchen "christlich" umgelegt haben, damit verglichen.
Sollte Jesus gelebt haben - schlug Er in Seinen Lehren vor, eine reiche Kirche zu schaffen und das Geld in Großkonzernen, in bedeutenden Medien, in Aktien, Wertpapieren und dergleichen anzulegen?
Dieses Geld-Macht-Monopol "christlicher Ehrwürdiger" regiert auch in die Medien, Rundfunk und Fernsehen, hinein, um die Menschen über die Predigten, die ausgestrahlt werden, auch über den religiösen Bereich hinaus, zu manipulieren, zu indoktrinieren, also bei der Stange zu halten. Von kirchlichen "Hoheiten" werden in vielen Fällen kirchentreue Unternehmer dahingehend beeinflußt, nur Leute einzustellen, die kirchlich linientreu sind, also Angestellte und Arbeiter, die ihre Kirchensteuer bezahlen und sich auch sonst getreu der kirchlichen Lehre und Normenvorgabe verhalten. Sollte es ein Reich Gottes geben, dann müßte diese hierarchische kirchliche Machtstruktur bis zu dessen Pforten hin übel riechen. Das Gerede über die Liebe Gottes, Seine Gerechtigkeit, Freiheit, Brüderlichkeit und weiteres mehr ist doch Hohn, ohne einen Funken von Wahrheit - man sehe sich nur mal die Praxis an! Hohle Wort sind es, im Grunde Blasphemie.
Werte Gesprächspartnerin, ich habe noch etwas mitgebracht. Ein Buch, wie du siehst. Damit hat es seine besondere Bewandtnis. Was würdest du sagen, wenn jemand behaupten würde, daß Gottes Wahrheit zuerst eine große Lüge werden muß, ehe sie zur Wahrheit wird, oder: Gott kann nicht Gott sein, er muß zuvor ein Teufel werden, und ähnliches?
Gabriele: Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand so etwas behauptet. Und wenn, dann würde ich, ohne zu fragen, wer, sagen, man müßte ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen.
Kurt: Bleibst du bei dieser deiner Aussage?
Gabriele: Natürlich, wenn jemand das allen Ernstes so behauptet hätte.
Kurt: Ich habe ja kurz erklärt, warum ich Atheist wurde. Ich bin nicht ein Mensch, der einfach alles unbesehen beiseiteschiebt oder der wertet und urteilt. Bevor ich diesen Schritt tat, habe ich mich vielseitig informiert. Höre und staune: Es war kein Geringerer als Martin Luther, der folgende Worte von sich gab. Ich lese sie dir vor:
"Also muß Gottes Treue und Wahrheit auch immerdar zuvor eine große Lüge werden, ehe sie zur Wahrheit wird. Denn für die Welt ist sie eine Ketzerei. Es dünkt uns auch selbst immerdar, Gott wolle uns lassen und sein Wort nicht halten und sehet an, in unserem Herzen ein Lügner zu werden. Und Summa, Gott kann nicht Gott sein, Er muß zuvor ein Teufel werden, und wir können nicht gen Himmel kommen, wir müssen zuvor in die Hölle fahren, können nicht Gottes Kinder werden, wir werden denn zuvor des Teufels Kinder. Denn alles, was Gott redet und tut, das muß der Teufel geredt und getan haben. Und unser Fleisch hälts selbst auch dafür, daß uns richtig gesagt der Geist im Wort erhellt und anders glauben lehrt. Wiederum aber der Welt Lüge kann nicht zur Lüge werden, sie muß zuvor die Wahrheit werden. Und die Gottlosen fahren nicht in die Hölle, sie seien denn zuvor in den Himmel gefahren und werden nicht des Teufels Kinder, sie müssen zuvor Gottes Kinder sein ..."
Werte Gesprächspartnerin, was sagst du jetzt?
[...]
Kurt: Das ist doch der Ausdruck eines gespaltenen Bewußtseins! So muß man lehren, wenn man Leute in kurzer Zeit in die Verzweiflung stürzen will. Ich muß hier sagen: Das Maß ist voll! Ziehen wir nun einen Schlußstrich und beenden unser Gespräch.
Gabriele: Werter Gesprächspartner, auch du hast über Jesus und Gott, unseren Vater, sehr deftige und salzhaltige bzw. gepfefferte Worte gebraucht, hast Jesus als einen Verbrecher und Gott, unseren Vater, als Mörder und Meuchelmörder und einiges mehr bezeichnet. Nun, wenn ich das Ganze von deiner Seite aus betrachte - natürlich ohne die Schärfe deiner Worte -, dann kann ich deine Sichtweise nicht verneinen.
Wenn du möchtest oder wenn es dir noch möglich ist, dann höre bitte auch du mich an. Ich will dir das ganze Ausmaß dessen, was im Namen des Jesus, des Christus, geschah und heute noch geschieht, von einer anderen Seite beleuchten, und zwar ausgehend von der Freiheit, die wir auch als den freien Willen bezeichnen können.
Kurt: Ich höre.
Gabriele: Bitte habe Verständnis, wenn ich etwas aushole. Wenn es um die Freiheit geht, haben wir Menschen sonderbare Ansichten. Das Wort "Freiheit" ist in unserem Sprachgebrauch ein dehnbarer Begriff. Zum Beispiel meinen wir mit "Freiheit", daß wir tun und lassen können, was uns beliebt. Freiheit bedeutet auch für viele, über andere bestimmen zu können, damit diese tun, was sie wollen. Bestimmte Kategorien von Menschen versuchen, andere zu beeinflussen, sie zu manipulieren. Bringen sie bestimmte Menschentypen unter ihre Manipulationsgewalt, dann fühlen sie sich erhaben und bei Gleichgesinnten anerkannt, also besser als die anderen und, nach ihren Maßstäben, "frei".
Auch in einem ansehnlichen Vermögen stellt sich eine sogenannte "Freiheit" dar, wenn der Wohlhabende aufgrund seiner Position Minderbemittelte bestimmen kann. Auch manche Angewohnheit wird als Freiheit bezeichnet, dann, wenn durch geschickte Manipulation andere jene Arbeiten verrichten, die dem trägen Gewohnheitsmenschen unangenehm sind. Das und einiges mehr wird als "Freiheit" angesehen. Stellt man diese Scheinfreiheit der göttlichen Freiheit gegenüber, dann ist der menschliche Freiheitsbegriff Täuschung, gleich Illusion.
Unsere vielfach hochgeschätzte "Freiheit" können wir sehr bald spüren, wenn wir z.B. mit unserem Fahrzeug auf den vor uns fahrenden Wagen auffahren oder wenn wir an einem Halteverbot parken oder wenn wir unserem Nachbarn dies oder jenes entwenden oder wenn uns bei einem hitzigen Gespräch die Hand ausrutscht und der andere sich lediglich mit einer Ohrfeige revanchieren sollte. Das alles sind kleine Delikte. Größere "Freiheitsmerkmale" brauche ich nicht aufzuzählen; wir hören und sehen sie täglich in den Medien.
Unsere hochgeschätzte "Freiheit" kann sehr rasch zur Unfreiheit werden, dann, wenn wir gegen die Rechtsordnung unseres Staates verstoßen. Kleinere Delikte können mit einem Verweis abgegolten werden, größere mit Geldstrafe oder gar Gefängnis. Unser Rahmen, den wir als "Freiheit" bezeichnen, ist also sehr begrenzt.
Betrachten wir unsere menschliche Freiheit genauer, dann müssen wir erkennen, daß jeder Bürger eines Staates für seine Verhaltensweisen selbst Verantwortung trägt gemäß der Rechtsordnung des Staates, den er gewählt hat und in dem er lebt. Entsprechend unserer Rechtsordnung tragen wir Verantwortung für unser Tun und Lassen. Wir können uns also nicht verhalten, wie wir wollen. Unsere Rechtsordnung, die sich im Rahmen der Verfassung bewegt, bestimmt, wie wir uns im Staat zu verhalten haben. Jeder Staat hat seine Gesetze, welche die Bürger dieses Staates zu respektieren haben; andernfalls droht ihnen die Bestrafung und - je nach Delikt - der Freiheitsentzug.
Wir reden von Freiheit, sind aber nicht frei, weil unsere Vorstellung von Freiheit auf "Trenne, binde und herrsche" basiert. Z.B. teilen wir unsere Erde in Kontinente, Länder, Städte, Gemeinden und Dörfer auf und in "mein" und "mir". Jeder will seine "Parzelle", gleich, ob sie gekauft oder gepachtet ist. Der eine hat seinen Landsitz, der andere sein Häuschen mit Garten, der Nächste seine Wohnung, eventuell mit Schrebergarten. Jeder hat für seinen Teil oder sein Teilchen seinen Schlüssel und fühlt sich als Herr durch die Schlüsselgewalt. Jeder schließt also seine Parzelle vor dem anderen ab, was besagt: Betreten nur, wenn erlaubt.
Zu einer Parzelle gehören unter anderem auch Haus- und Stalltiere. Auch sie sind Eigentum des Besitzers. Der eine nimmt sich die "Freiheit", das Tier zu quälen, der andere verweichlicht es oder richtet es zu einem bestimmten Zweck ab. Zum Beispiel muß der Papagei oder der Wellensittich im Käfig die Worte sagen können, die ihm der Besitzer einhämmert; die Katze muß ihre Katzentoilette aufsuchen, und der Schmusehund muß unter Umständen Männchen machen oder darf nur an der Leine Gassi gehen. Auch die Tiere im Stall müssen sich so verhalten und müssen das tun, was der "Besitzer" will. Er bestimmt gemäß seiner Ansicht, was "Freiheit" ist, was er mit den Tieren macht, ob sie es so wollen oder nicht, da sie gekauftes Gut sind.
Die "Lieblings"-Tiere werden selbstverständlich nicht verzehrt, dafür so manches Stalltier; man liebt es eben weniger als die Schmusekatze. Anders gesagt: Man ist so frei, das eine Tier lebendig zu "lieben", vom anderen hingegen dessen Kadaver, den man dann verzehrt. Die "anderen" Tiere sind eben die "Schlachttiere", die Schweine, Kälber, Enten, Gänse, Truthähne, Hühner usw. Der "freiheitliche" Gaumen macht auch vor den Tieren des Waldes wie Hasen, Rehen und Wildschweinen keinen Halt. Auch so mancher Singvogel muß seine Freiheit lassen für den "freiheitlichen" Gaumen.
Die berühmte - oder vielmehr berüchtigte? - Freiheit liegt auch auf den Sparkonten, wird in Aktien, Wertpapieren und Beteiligungen an Großunternehmen oder Banken angelegt. Die Freiheit des Konzerns, Zehntausende von Mitarbeitern in die Arbeitslosigkeit zu entlassen, treibt seinen Aktienkurs steil in die Höhe. Freiheit, Freiheit, nichts als Freiheit! Oder doch Unfreiheit, Unfreiheit und Schuld? Schuld, nicht nur gegenüber anderen, sondern in bezug auf uns selbst, weil wir die göttliche Freiheit mißbrauchen durch Trenne, binde und herrsche. Wir bereichern uns also an Menschen, Tieren, Pflanzen, Mineralien, an der ganzen Erde.
Müssen wir aufgrund des Gesetzes "Aktion gleich Reaktion" die Rechnung für unsere sogenannte "Freiheit", die vielfach nichts anderes als Diebstahl ist, begleichen durch Schicksal, Krankheit, Not, Leid, durch Erdkatastrophen, dann geben wir Gott die Schuld an dem Übel, das letztlich durch u n s e r e üblen Werke ausgelöst wurde. Infolgedessen sind w i r die Übeltäter. Wir geben also Gott die Schuld für das, was w i r verursacht haben.
Wenn du mich noch anhören willst, dann möchte ich gerne im Gespräch fortfahren und die göttliche Freiheit in bezug auf uns Menschen beleuchten.
Kurt: Ich höre gerne zu, wenn ich auch skeptisch bin, wenn es um Gott und Seine Freiheit geht.
Gabriele: Ein Beispiel, um die göttliche Freiheit besser erläutern zu können:
Wie würdest du dich als Vater verhalten, der seinen Söhnen und Töchtern sein ganzes Vermögen, das ganze Erbe ungeteilt - also jedem alles - gab, so, wie es auch die Kinder wollten. Alle waren für das einheitliche Erbe, also für das ganzheitliche Vermögen, unteilbar, um das Ganze als Ganzes zu erhalten und zu vermehren. Nach einer geraumen Zeit entstanden Streitigkeiten, Unstimmigkeiten um die Rangfolge. Der eine, der größer sein wollte als die anderen, bestand darauf, das Erbe zu teilen. Andere schlossen sich ihm an. Der eine wollte einen Teil, um sein ausschweifendes Leben zu finanzieren, der andere, um es in der Spielbank einzusetzen und seinen Teil für sich persönlich zu vermehren.
Nehmen wir einmal an, du, Kurt, bist z.B. der Vater. Du mahnst deine Kinder, die Einheit zu wahren und das einheitliche Vermögen, das einheitliche Erbe, so, wie es als Ganzes überschrieben wurde, auch zu erhalten und zu vermehren.
Die Söhne und Töchter, die das Erbe aufteilen, also trennen und jeder einen Teil an sich nehmen, an sich binden wollen, hören wohl die mahnenden Worte des Vaters, doch sie wollen so, wie es ihnen beliebt. Was würdest du, werter Freund, als Vater dieser Kinder tun?
Kurt: Entweder würde ich sie enterben oder mit ihnen vor Gericht gehen, um das zu erzwingen, was ausgemacht war, oder ich würde sie von Haus und Hof jagen.
Gabriele: Du hast gar nicht das Recht, mit ihnen vor Gericht zu gehen oder sie von Haus und Hof zu jagen. Du hast ihnen doch alles überschrieben, sie als Erben eingesetzt. Damit sind sie zu Eigentümern geworden und können über ihr Eigentum frei entscheiden. Sie sind frei in ihrem Tun und Lassen, haben jedoch die Verantwortung für das, was sie tun oder lassen.
Gehen wir zurück auf Gottes Wirken:
Gott ist Geist. Der Geist, Gott, ist das allgegenwärtige, ewige All-Gesetz, der Ur-Strom der Unendlichkeit. Gott ist der ewige All-Lebensstrom für alles Sein.
Der Geist, Gott, schuf aus Sich Selbst Sich als die erste Form und nannte Sich Vater. Christen nennen Ihn auch Gott-Vater.
Damit es für dich ganz klar ist: Gott, der Geist, ist fließende Ur-Kraft. Gott, die Form, ist manifestierte Ur-Kraft; wir Menschen würden sagen: eine Person. "Form" bzw. "Manifestation" bedeutet: komprimierte All-Kraft; die Manifestation beinhaltet in potenzierter Form alle Kräfte und alle Seinsformen der Unendlichkeit. Anders gesagt: Die Form, das Geistwesen, ist komprimiertes Gesetz Gottes, komprimiertes Sein.
Gott-Vater ist also formgewordenes Sein aus Seinem allgegenwärtigen, ewigen Lebensstrom, auch Geist, All-Geist, All-Sein, Weltall-Geist oder auch Weltall-Gesetz genannt. Aus Seinem ewigen, allgegenwärtigen Gesetz, dem Ur-Lebensstrom, schuf und schafft weiterhin Gott-Vater Seine Kinder, die Söhne und Töchter des ewigen Reiches. Der geistige Körper Gott-Vaters und die geistigen Körper der Kinder Gott-Vaters sind formgewordenes, komprimiertes, ewiges Gesetz. Aus demselben ewigen Lebensstrom, dem All-Gesetz, schuf Gott-Vater das ewige Reich, die Himmel mit ihren geistigen Gestirnen; es ist das ewige Sein.
Den göttlichen Wesen, Seinen Kindern, vererbte Gott-Vater die ganze Unendlichkeit, alle Himmelsebenen mit ihren geistigen Formen, den Sonnen, Planeten, Welten und Naturreichen. Alles ist eine Energie-Einheit, die untrennbar ist. Durch das ganzheitliche Erbe sind den Kindern Gottes keine Grenzen gesetzt. Sie sind im Ur-Lebensstrom gegenwärtige Form.
Gott ist Geist, ist All-Gesetz, allgegenwärtiger Ur-Lebensstrom, der von Gott-Vater an Seine Kinder nicht vererbt wurde, denn der allgegenwärtige Lebensstrom ist gleichzeitig Schöpfungs- und Schaffungsenergie für die Söhne und Töchter der Himmel, um das Ganzheits-Erbe zu vermehren, also geistige Formen zu schaffen.
Ich wiederhole: Der fließende Geist, Gott, auch All-Gesetz oder allgegenwärtiger Lebensstrom genannt, ist nicht vererbbar. Gott ist allgegenwärtiges, ewiges Leben.
Einzig Gott, die Ur-Kraft, das Ur-Licht, der ewige Geist, ist also allgegenwärtig. Die Kinder Gott-Vaters sind, wie auch die Form "Gott-Vater", die "Person", gegenwärtig - und nicht allgegenwärtig -, weil die geistigen Körper komprimiertes ewiges Gesetz sind, also Form.
In der ganzen Unendlichkeit strömt das ewige, allgegenwärtige Gesetz, Gott, der ur-ewige Lebensstrom. Das allgegenwärtige, strömende ewige Gesetz, das auch die Schöpfungs- und Schaffungsenergie der Kinder Gottes ist, durchströmt und durchdringt sämtliche Himmelsebenen. Es ist der Odem, gleich Atem aller göttlichen Formen, auch der Gott-Vaters und aller Seiner Söhne und Töchter der Himmel. Durch beständiges Ein- und Ausatmen vermehrt Gott die Ur-Energie, den ewigen Lebensstrom. Dadurch dehnen sich die Himmelsebenen aus. Weil der Lebensstrom auch Schöpfungsenergie ist, entstehen in den himmlischen Ebenen weitere Sonnen, Planeten und geistige Naturreiche. Das Reich Gottes ist also in ständiger Ausdehnung, in ständiger Evolution, begriffen. Im ganzen All gibt es keinen Stillstand, weil der All-Geist, Gott, unermüdlich einatmet und in Sich Selbst weitere Energien schafft und diese den Bewohnern des Reiches Gottes zu weiteren Formgebungen wieder zuatmet.
Kurt: Das fasziniert mich. Als Hypothese, versteht sich. Mir fiel soeben ein: Es hat einmal einen griechischen Philosophen gegeben, Heraklit hieß er, der hat den Satz geprägt: Panta rhei - alles fließt. Aber entschuldige bitte, ich habe dich unterbrochen. Bitte, fahre fort.
Gabriele: Aus dem ewigen göttlichen Energiefluß entstehen auch weitere Kinder Gottes durch die Dualisierung der göttlichen Wesen. Die geistige Dualität zu beschreiben, die auf dem Polaritätsprinzip des ewigen Seins besteht, würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich will nur andeuten, daß es im Reich Gottes Großfamilien gibt, natürlich nach dem Prinzip Gleichheit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit.
Gott-Vater vererbte Seinen Söhnen und Töchtern die Unendlichkeit, alle Formen und formgewordenen Kräfte. Dadurch sind sie gegenwärtiges Sein, aber nicht allgegenwärtig; das ist Gott, der ur-ewige Lebensstrom.
Gott ist die unpersönliche Ur-Kraft, die nichts für sich will, die beständig gibt und die alle komprimierten Formen, Seine Kinder, gleich liebt und bedenkt. Jeder erhält gleich viel wie der andere - das ganze Erbe der Unendlichkeit. Daher bindet Gott nichts. Er ist die Freiheit.
Alle göttlichen Wesen haben die Ganzheit als einheitliches Erbe angenommen. So wurde es beschlossen, und so geschah es auch. Die Söhne und Töchter Gottes sind Erben aller formgewordenen Himmelsebenen und göttlichen Kräfte.
Im Laufe des Schaffens und Wirkens der Kinder Gottes begann der Fall einiger Wesen. Sie wurden Abtrünnige. Sie wollten, jeder für sich selbst, Energie, um für sich selbst auch ihnen Eigenes, also Persönliches, zu schaffen. Sie wollten also wie Gott sein.
Bei einem zyklischen Ausatmen des All-Geistes nahmen sich die Abtrünnigen, was ihnen an Energie zur Verfügung stand. Gott ließ sie gewähren; Er ließ dies zu, denn Gott-Vater hatte allen Seinen Kindern das Ganzheitserbe gegeben, das sie vermehren konnten und können, da ihnen der All-Geist in geistigenZyklen weitere Energien zuatmet. In dem Maße, wie sich einige Seiner Kinder an dem Ganzheitserbe bereicherten, konnten sie samt der ihnen verfügbaren Energie nicht mehr im Reich Gottes sein, denn das Reich Gottes ist unpersönliches Leben, unpersönliches Sein; es ist Gleichheit; sie hingegen begannen zu trennen. Das Reich Gottes ist Freiheit; sie jedoch wollten für sich persönlich schaffen, und jeder so viel, wie er entwenden konnte. Das Reich Gottes ist Einheit; sie aber wurden untereinander uneins durch das Trennen von ihren Nächsten. Das Reich Gottes ist Brüderlichkeit, gleich Geschwisterlichkeit; sie jedoch waren einander nicht mehr Geschwister, nicht mehr Brüder und Schwestern, sondern Feinde, da einige größer sein wollten als andere und auch mehr besitzen wollten als ihre Brüder und Schwestern. Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit; durch die Trennung entwickelte sich die Ungerechtigkeit und das Rechthaben-Wollen. Auf diese Weise entstand das Prinzip des Gegensatzes: Trenne, binde und herrsche. Göttliche Wesen trennten sich also von ihren himmlischen Geschwistern, die das Einheitserbe erhalten und vermehren, und wurden so zu Fallwesen.
Die verfügbare Energie der abtrünnigen Wesen - die unter anderem aus Teilen von Planeten bestand - war deren Schöpfungs- und Schaffungspotential. Sie erkannten nicht, daß sie diese Energie vom ewigen Sein auf Dauer nicht abtrennen können. Sie waren der Ansicht, daß dieser Teil Energie, den sie unlauter erworben hatten, ihnen genüge, um allmählich alle Schaffungsenergien an sich zu ziehen. Weil ihre geistigen Körper komprimiertes ewiges Gesetz blieben, glaubten sie, über den All-Geist siegen zu können.
Was geschah in den ehemals göttlichen Wesen im Laufe der indirekten Trennung von Gott? Ganz allmählich verringerte sich die Strahlung ihrer göttlichen Körper. In der verfügbaren göttlichen Energie, mit der sie niedrigschwingende Formen schufen, blieb jedoch der All-Geist, das Prinzip Gleichheit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit. In der verfügbaren Energie, mit der die heutigen formgewordenen Wesen, die Menschen, immer noch schaffen und manipulieren, blieb der All-Geist, der die Kommunikation zum ewig reinen Sein, zum Reich Gottes aufrechterhält.
Kurt: Verzeih, ich unterbreche den Fluß deiner Rede ungern, aber ich kann im Augenblick nicht mehr so ganz folgen. Ich bin an den Worten "Menschen schaffen und manipulieren" hängengeblieben. Dann sagtest du, daß in dem, was von Menschen "geschaffen und manipuliert" ist, trotzdem der All-Geist ist. Ich denke da gerade an Bomben und Kriegsmaterial, z.B. eine Atombombe. Die ist ja nun wirklich etwas extrem Negatives. Und damit sollte Gott, den du mir als DAS GUTE schlechthin geschildert hast, etwas zu tun haben? Ist Gott also doch auch negativ?
[...]
Kurt: Darin kann ich dir folgen. Die Energie also, die ich - negativ - schaffe und die ja nicht vergeht, kommt wie ein Bumerang zu mir zurück. Das leuchtet mir ein.
Gabriele: Also: Was der einzelne sät, das wird er auch ernten.
Ein Blick auf unsere Erde: Die Erde ist, als Ganzes gesehen, eine Einheit und somit im Einheitsgesetz der Schöpfung. Auf dem ganzen Planeten Erde ist, wenn wir ihn als Schöpfungsgebilde betrachten, alles fließend, ohne Grenzen. Die Natur geht fließend ineinander über. Je nach Klima leben entsprechende Tierarten und wachsen Pflanzen und Bäume. Das Wasser, das vom Meer aufsteigt, Wolken bildet, herniederregnet, in die Flüsse, Seen und Bäche strömt und wieder zurück zum Meer, kennt keine Grenzen. Die Wolken, die am Firmament ziehen, machen vor keiner Grenze, die Menschen zogen, halt. Sie regnen da und dort ab; sie fragen nicht, ob es uns Menschen angenehm ist oder nicht oder an welcher Grenze sie halt machen sollen.
Wir Menschen sind die Urheber von Grenzen durch das unersättliche "mein" und "mir". Auch die Flüsse und Seen binden sich nicht an unser Wollen, auch dann nicht, wenn wir Flüsse begradigen und Staudämme errichten. Irgendwann müssen wir unsere Ursachen als Wirkungen erleben, denn die Wasser richten sich, auf Dauer gesehen, nicht nach uns, die wir gegen die Schöpfungsgesetze verstoßen. Auch der Wind hält sich nicht an die von uns geschaffenen Grenzen; er bläst, wie und wo er will, oder er reißt ein, was wir ihm in den Weg gestellt haben. Alle Gestirne, die wir sehen oder nicht sehen, strahlen gemäß ihrer Lichtintensität und ziehen in ihren vorgegebenen Bahnen. Nichts, aber auch gar nichts im Kosmos weist die Strahlung eines Gestirns in Schranken. Alles ist eine Einheit, ein Strömen und Fließen. Es ist eine Kraft, die unermüdlich dem gibt, der keine Grenzen setzt. Wir können die beiden Kosmen, den feinerstofflichen Kosmos und den grobstofflichen Kosmos, durch unsere Eingaben in diese Gestirne nur belasten, sie aber nicht aus ihren Bahnen bringen.
In unserer Welt herrscht überall der Fallgedanke Trenne, binde und herrsche, was besagt: Teile die Erde in Parzellen auf, trenne dich von deinem Bruder, deiner Schwester, denke nur an dein Wohlergehen, und vermehre dein Hab und Gut zu deinem Wohl. Hast du viel Vermögen ergattert - einerlei, auf welche Art und Weise -, dann mache Weniger-Begüterte zu deinen Arbeitern; versklave sie, indem du ihnen - im Vergleich zu deinem Vermögen und zu deinem Besitz - geringen Lohn gibst. Binde sie an dich durch Verträge, und herrsche über sie, die sich in bezug auf Arbeit und Unterhalt von dir abhängig gemacht haben. Der eine ist immens reich, der andere läuft als gehobener Mittelständler mit und versucht, sich mit allen Mitteln - legal oder illegal - hochzuranken. Er blickt sehnsüchtig zu dem auf, der auf der Leiter der Vermögenden einige Sprossen höher steht. Wieder andere sind die Armen und die Untersten die Ärmsten der Armen. Jeder, ob arm oder reich, möchte vom "Kuchen des Glücks" ebenfalls profitieren. Daraus entwickelten sich Unzufriedenheit und Haß.
Die Auswirkungen dieser Ungleichheit sind zuerst die Kleinkriege in den Familien und am Arbeitsplatz. Es geht weiter vom Diebstahl bis hin zum Verbrechen jeglicher Art, bis zu den Landeskriegen und Weltkriegen. Brüder stehen sich gegenüber und bekämpfen sich. Einst waren sie Wesen in Gott, in Seiner großen Einheit und Freiheit, und waren sich eins mit den Wesen des Reiches Gottes, gleichsam im Einheitsverbund als Erben der Unendlichkeit. Jetzt rangeln und kämpfen die Kleingeister, die Menschen, um ein Stück Land, kämpfen gegen ihre Brüder, um eine Stadt oder ein ganzes Land zu erobern und ihre Geschwister zu unterjochen. Brüder begehen Bruder- und Schwestermord und wissen nicht, daß sie im Grunde gesehen alle unendlich reich sind. Weil sie in der Illusion leben, sterben sie auch in der Illusion.
In Wirklichkeit hört nur der Mensch zu atmen auf; die Seele, der feinerstoffliche Leib, der die Hülle, den Menschen, abgelegt hat, atmet weiter, weil Gott in allem das ewige Leben ist, das nicht zerstört werden kann. Die Hülle geht, wie schon gesagt, in die Erdsubstanzen über. Im feinerstofflichen Leib, im Seelengrund der Seele, ist das komprimierte ewige Gesetz, das unveränderlich bleibt. Die Last, die heruntertransformierte Energie aus dem verfügbaren göttlichen Erbe, nennen Christen auch Sünde. Diese belastet auch die Seele und muß von dieser oder vom Menschen irgendwann in göttliche Energie umgewandelt werden. Die feinerstoffliche Form, die Seele, wird einst wieder zum feinstofflichen göttlichen Wesen - dann, wenn die belastete Form, Seele oder Mensch, mit Hilfe der Allkraft, Gott, die verfügbare und von ihr heruntertransformierte Energie umgewandelt und wieder in das göttliche Erbe eingebracht hat. Wann und wie, und sei es nach vielen Wiederverkörperungen, bleibt - gemäß dem freien Willen - jedem Wesen selbst überlassen.
Ich wiederhole: Aus dem Ganzheitserbe ergibt sich die Freiheit. Jeder kann sich verhalten, wie es ihm beliebt, doch jeder trägt für sein Tun und Lassen die volle Verantwortung.
Wer seinen Bruder beraubt, sich also das aneignet, was diesem gehört, der kann sicher sein, daß nach dem Gesetz Aktion gleich Reaktion ihm dies irgendwann genommen wird. Und wer seinen Bruder oder seine Schwester ermordet, dem widerfährt irgendwann das gleiche. Wer Schätze hortet und andere hungern sieht, wird eines Tages selbst hungern. Wer seinen Bruder per weltliches Gesetz in den Krieg gegen seinen Bruder schickt, wird einst selbst im Krieg das erleben, was andere durch ihn erleiden mußten. Das ganze wird als "Ursache und Wirkung" bezeichnet oder als "Saat und Ernte" oder auch "Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn" oder "Aktion gleich Reaktion".
Gott greift nicht ein, weil alle reinen Wesen göttlich und frei sind und alle Seelen und Men |